Die offizielle Website
zu der Welt von Catan

CATAN - Die Legende der Eroberer - Vorschau - Teil 3

16. November 2018
Klaus Teuber

Die Story zu "CATAN - Die Legende der Eroberer" - Kapitel 1 – 2. Teil

Ägis legte ihrer Schwester die Hand auf die Schulter. „Es waren zu viele, Thora. Die Karavellen der Eroberer hatten Kanonen an Bord. Nach dem ersten Beschuss gab ich den Befehl zum Rückzug. Ich wollte nicht riskieren, dass wir alle unsere Schiffe verlieren.“

Catan - Die Legende der Eroberer - Kapitel 1 - Thora

„Ich weiß.“ Thora drehte sich zu Ägis um. Ägis war nicht nur ihre Schwester, sondern auch die Kommandantin der Catanischen Flotte. „Vorhin kam ein Bote aus dem Norden. Er informierte den Rat, dass die Flotte des Feindes an der Nordwestküste gelandet ist. Die Eroberer haben damit begonnen, ein befestigtes Lager zu errichten.“ Thora zögerte, bevor sie das drohende Unheil in Worte kleidete: „ Diesmal sind es keine Barbarenhorden, die unser Land plündern wollen; diesmal kommen mächtige Feinde mit einer Armee.“ Fast flüsternd fuhr sie fort: „Dieses Mal, Aegis, geht es nicht um Scharmützel mit Barbaren, dieses Mal geht es um unser Überleben und unsere Freiheit.“

Ägis pflichtete ihrer älteren Schwester bei. Wie sie war Thora in ihren besten Jahren und von ähnlich durchtrainierter Statur. Silberstreifen, die ihr braunes Haar durchzogen und erste Falten verliehen ihrer angenehmen Erscheinung Reife und Autorität.

Als Thora vom Rat zur Oberbefehlshaberin der catanischen Streitmacht und zur alleinigen Herrscherin auf Zeit gewählt worden war, hatte sie ihre Ratsherren-Kleidung abgelegt und gegen Hosen, Stiefel und eine gegürtete, schmucklose Tunika getauscht. Sie wollte nicht anders gekleidet sein als die Cataner, die sie in den Kampf gegen die Eroberer schicken musste.

Es klopfte an der Tür und Kriegsherr Roven betrat die Amtsstube der Oberbefehlshaberin. Hinter ihm, verdeckt durch die massige Statur Rovens, huschte eine schmächtige Frau mit weizenblonden Haaren und hübschen Gesichtszügen in die Stube und stellte sich selbstbewusst neben Roven auf. Trotz des Ernstes der Lage musste Thora über das ungleiche Paar schmunzeln. Neben dem um zwei Köpfe größeren, und dreifach so breiten, muskelbepackten, dunkelhäutigen Kriegsherrn wirkte Lea, die oberste Heilerin Catans, zart wie eine Elfe.

Roven räusperte sich und verkündete mit sonorer Stimme, die seiner imposanten Erscheinung gerecht wurde: „Die Truppen sind abmarschbreit, Thora.“ Er seufzte: „Lea ließ es sich leider nicht nehmen, selbst den Heiler-Trupp anzuführen.“ Dabei schielte er mit einer Miene, in der sich gleichermaßen Ärger und Besorgnis spiegelten, zu seiner zierlichen Frau hinunter.

„Komm schon, Großer. Nun mach dir mal keine Sorgen um mich. Ich weiß schon auf mich aufzupassen.“ Lea legte ihre zierliche Hand in die Pranke des Kriegsherrn und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.

Thora war der angesehenen Heilerin dankbar. Die Fußtruppen, die Roven in den Nordwesten Catans führte, sowie die Männer und Frauen, die er im Norden zu rekrutieren gedachte, würden Leas heilkundige Hilfe bei den Kämpfen bitter benötigen.

„Haltet euch an meinen Befehl, Roven. Er lautet nicht, die Eroberer aus dem Nordwesten unserer Insel zu vertreiben. Ihr wisst wie ich, das kann euch gegen die Übermacht der Invasoren nicht gelingen. Haltet sie nur so lange wie möglich auf und zieht euch rechtzeitig nach Osten zurück, bevor unseren Truppen größere Verluste drohen. Wir müssen Zeit gewinnen, um unsere Verteidigung zu organisieren.“

Roven nickte kurz. „Wir werden versuchen, einzelne Gruppen der Eroberer in Fallen zu locken und mit Hinterhalten zu überraschen.“ Sichtlich verschnupft fuhr er fort: „Übrigens liegt auch mir sehr viel daran, das Leben der mir anvertrauten Cataner nicht sinnlos aufs Spiel zu setzen.“

Roven deutete vor Thora und Aegis eine Verbeugung an. Mit strammen Schritten und ohne ein weiteres Wort verließ er mit Lea im Schlepptau die Amtsstube der Oberbefehlshaberin.

„Ich glaube, du hast ihn in seiner Ehre gekränkt, Thora. Roven handelt zwar manchmal etwas impulsiv, aber du kannst dich darauf verlassen, dass er deine Befehle befolgt.“

„Ich hoffe es, Aegis“, seufzte Thora. „Gerne hätte ich ihm Dagur zur Seite gestellt. Dagur ist besonnen und klug und könnte mäßigend auf Roven einwirken. Aber wir brauchen ihn mit seiner Reiterei hier, falls es den Eroberern einfällt, auch noch unsere Südküste anzugreifen.“

Thora ging wieder zum Fenster und blickte resigniert in die verregnete Landschaft. „Wir werden die Feinde wahrscheinlich nicht aufhalten können, unsere Insel zu erobern und uns die Unabhängigkeit zu rauben. Es sei denn, es geschieht ein Wunder …“



Zugehörige Spiele