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Die Renaissance des Kartenspiels

 
20. September 2012
Peter Gustav Bartschat

Mit seiner zweiten Erweiterung „Goldene Zeiten“ findet das neue catanische Kartenspiel „Die Fürsten von Catan“ seinen Abschluss – zumindest soweit es den derzeitigen Planungsstand betrifft. Die insgesamt drei Packungen bieten den Spielern spannende und unterhaltsame Stunden am Spieltisch, und laden zusätzlich zu einer Reise durch die catanische Geschichte ein.

Die catanische Geschichte im Spiel

Schon die Brettspiele bieten einen Einblick in die Geschichte der fiktiven catanischen Inselwelt. Die Erweiterungen und Szenarien zum Brettspiel legen ihren thematischen Schwerpunkt meist auf die catanische Anfangszeit: Immer wieder besteht die Herausforderung darin, eine weitgehend unbewohnte Insel oder Inselgruppe urbar zu machen, wobei die Spieler unterschiedliche Ressourcen nutzen können, und sich mit unterschiedlichen Gefahren konfrontiert sehen.

Die eigentliche Weltgeschichte spielt sich im Brettspiel zwar nach catanischen Regeln, aber thematisch außerhalb Catans ab: In den „Historischen Szenarien“ und in separaten Spielen wie „Abenteuer Menschheit“ und „Kampf um Rom“.

Historische Szenarien I Die Renaissance des KartenspielsAbenteuer Menschheit Die Renaissance des KartenspielsKampf um Rom Die Renaissance des Kartenspiels

Die Welt der catanischen Kartenspiele hat sich anders entwickelt. Schon im alten „Kartenspiel für zwei Personen“ gab es deutliche Anspielungen auf konkrete historische Erfindungen und Entwicklungen auf Catan selbst.

Wenn hier vom „alten Kartenspiel“ die Rede ist, dann bezieht sich das immer auf das Spiel „Die Siedler von Catan – Das Kartenspiel für zwei Spieler“, das 1996 erschien, und dessen Vertrieb im Jahr 2009 eingestellt wurde. Davon zu unterscheiden ist das Spiel „Die Fürsten von Catan“, bei dem es sich ebenfalls um ein Kartenspiel handelt – auch wenn das Wort „Kartenspiel“ nicht im Titel enthalten ist – das seit 2010 erhältlich ist. Einige der folgenden Abschnitte beschäftigen sich mit Unterschieden zwischen diesen beiden Spielen.

Machte im alten Kartenspiel ein Fürstentum einen historischen Schritt nach vorne – die Errichtung einer Universität zum Beispiel – dann erschlossen sich dem Spieler neue Optionen für seinen weiteren spielerischen Werdegang.

Eine chronologische Einordnung gab es dabei kaum, und im alten Kartenspiel schienen alle vergangenen Epochen gleichzeitig zu existieren – etwa so, wie man es heute bei historischen Stadtfesten oder Ritterspielen erlebt. Dieser Effekt war natürlich nicht ganz zufällig: Er ergab sich daraus, dass die späteren Erweiterungen zum alten „Kartenspiel für zwei Personen“ in erster Linie mit dem Blick auf die Spielvariante „Turnierspiel“ konzipiert worden waren.

PGB Renaissance trifft Rokkoko Die Renaissance des Kartenspiels

Renaissance trifft Rokoko auf den Kaltenberger Ritterspielen

Vom „Kartenspiel“ zu den „Fürsten“

Die Turnierspiel-Variante des alten „Kartenspiels für zwei Personen“ wurde und wird von einer zahlenmäßig recht kleinen, aber engagierten Gruppe von Spielern als die Königsdisziplin der catanischen Spiele geschätzt. Im Hinblick auf die Intensität, mit der ein Spieler sich hier mit den Synergien zwischen einzelnen Kartenfunktionen beschäftigen muss, und der Tatsache, dass jedes einzelne Spiel durch die vorherige Zusammenstellung der eigenen Kartenauswahl sorgfältig vorbereitet sein will, ist diese Einschätzung auch berechtigt.

Wenn wir die sich daraus ergebende Herausforderung mit den Augen engagierter „Vielspieler“ als die Stärke des Turnierspiels betrachten wollen, so sehen wir mit den Augen der zahlreichen Hobbyspieler im selben Punkt zugleich seine Schwäche: Ein lockeres Spiel zur Entspannung war mit dem gesamten Kartenbestand nach Veröffentlichung mehrerer Erweiterungen kaum noch machbar; oder – da es mit der Grundpackung allein natürlich noch möglich war – bestand das Risiko, dass ein großer Teil des gesamten Kartenpools des alten Kartenspiels nur für einen kleinen Teil der Spieler von Interesse war.

Mit der Entscheidung, nach dem Ende der Produktion des alten „Kartenspiels für zwei Personen“ einen kompletten Neuanfang zu wagen – mit dem Konzept eines Spiels, das einen schnellen Einstieg und ein in überschaubarer Zeit abgeschlossenes Spiel ermöglicht – änderte sich manches im Kartenspiel. Zum einen sprechen die neuen „Fürsten von Catan“ stärker die Spieler der Catan-Brettspiele an, die ein überschaubares Regelwerk mit großem Potenzial an eigener Entscheidung und persönlicher Strategie zu schätzen gelernt haben.

Zum anderen ergibt sich in den neuen „Fürsten von Catan“ die Möglichkeit, thematisch tatsächlich eine Geschichte Catans zu erzählen, bei der jedes Spiel – je nach Auswahl des Themensets, das die Spieler verwenden – eine andere Epoche mit ihren Aspekten in den Mittelpunkt stellt.

Die Renaissance im Kartenspiel

Das Wort „Renaissance“ bedeutet „Wiedergeburt“. In dieser Epoche, die im 15. und 16. Jahrhundert am Übergang zwischen Mittelalter und Neuzeit liegt, entdeckten Künstler und Forscher viele vergessene oder lange ignorierte Erkenntnisse der Antike wieder. Basierend auf dieser Wiederentdeckung formte sich ein neues, kritisches Denken, dass den vom dogmatischen Glauben dominierten Lehren des Mittelalters die nach allen Seiten offene Neugier der Neuzeit entgegen setzte.

Klaus Teuber hat in seinen Blog-Beiträgen der letzten Monate die einzelnen Sets der neuen Erweiterung im Detail vorgestellt. Wer sich die Themensets aller drei neuen Packungen im Zusammenhang ansieht, dem wird auffallen, dass viele in der Renaissance angesiedelt sind.

Die Entdeckung und Urbarmachung einer weitgehend unbesiedelten Inselwelt, die wir aus dem Brettspiel kennen, spielen überwiegend im Basis-Kartenspiel „Die ersten Cataner“ und in den drei Themensets „Zeit des Goldes“, „Zeit der Wirren“ und „Zeit der Intrigen“ eine Rolle.

Die anderen Sets gehen davon aus, dass die Insel und ihre Ressourcen bereits vollständig bekannt sind, und in den Fürstentümern ein eher qualitatives statt quantitatives Wachstum stattfindet. Zudem entstehen – im Zuge der weltumspannenden Seefahrt, wie sie in der Renaissance begann – neue, äußere Konflikte, denen sich die im Mittelalter weitgehend isoliert lebenden Cataner noch nicht stellen mussten.

Der thematische Schwerpunkt bei diesen Konflikten liegt vor allem auf zwei Aspekten, die in mehreren Sets behandelt werden:

  • Botschafter Die Renaissance des KartenspielsIn der „Zeit der Barbaren“ strecken die expandierenden Königreiche Europas ihre gierigen Hände nach Catan aus, das sie bei seiner zentralen Lage im Atlantik als Basis für die Eroberung Amerikas schätzen würden. In der „Zeit der Entdecker“ sind es dann die Cataner selbst, die sich in ihren neuen Karavellen aufs Meer hinauswagen und dort mit den Europäern und mit anderen catanischen Fürstentümern um Einfluss in fernen Ländern konkurrieren. Den Catanern können wir dabei zu Gute halten, dass sie hauptsächlich auf Diplomatie und Geschenke setzen, und in ihrer gesamten Entdeckungsgeschichte nur wenige volle Breitseiten abfeuern.
  • Der Fuerst Machiavelli Regis Die Renaissance des Kartenspiels

    “Der Fürst” von Nicolò Machiavelli – Quelle: Wikipedia

    Der andere Renaissance-typische Aspekt ist der genauere Blick darauf, wie Staaten eigentlich funktionieren und warum. Niccolo Machiavelli hat dafür im 16. Jahrhundert den Grundstein gelegt, mit seinem Hauptwerk „Staat und Politik“ und auch mit seinem populären, aber bis in unsere Gegenwart häufig missverstandenen Essay „Der Fürst“. Die catanischen Fürsten, die gern absolutistisch regieren würden und dabei doch oft Opfer von Ereignissen und Stimmungen im Lande sind, bilden das zentrale Thema in der „Zeit des Wohlstands“; einige der ungeliebten und doch unentbehrlichen Kräfte, die im Hintergrund stets mitregieren, werden in der „Zeit der Weisen“ untersucht. Zumindest die beiden letztgenannten Themensets könnten auch als Einführungsseminar für angehende Bundes- und Landtagsabgeordnete nützlich sein … zum Beispiel könnte mancher neu in ein Parlament einziehende „Pirat“ feststellen, dass sein catanischer Fraktionskollege nicht einfach unbegrenzt kostenlose Leistungen einfordert, sondern im Gegenzug selbst auch die eine oder andere Leistung erbringt.

Somit haben wir mit den drei Packungen der „Fürsten von Catan“ eine Renaissance, eine Wiedergeburt, des catanischen Kartenspiels im doppelten Sinne vor uns: Es erweckt das alte „Kartenspiel für zwei Personen“ in der Gestalt der neuen „Fürsten von Catan“ wieder zum Leben – und es entführt uns in die Zeit der Renaissance auf Catan selbst.

Peter Gustav Bartschat

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Kommentare

Ich bin ein leidenschaftlicher Spieler des alten Siedler von Catankartenspiel für zwei und suche seid langem die letzen zwei Erweiterungen Künstler und Wohltäter ,und Barbaren (vielleicht ist der Titel nicht ganz richtig).Gibt es nicht irgend eine Möglichkeit noch daran zu kommen. Ich liebe einfach diese alte Variante und gäbe viel dafür. Gibt es nicht noch einen alte Bestand oder ein Forum dafür? Das währe so schön. Herzlichen Dank Susanne Schmidt-minuth
Gero Zahn
@Susanne Schmidt-Minuth Das ist leider nicht trivial, Restbestände gibt es nicht. Eventuell wirst Du in Spiele-Antiquariaten fündig, etwas auf deren Ständen der Essener Spielemesse jeweils im Oktober eines Jahres. Fans des alten Catan-Kartenspiels zum Austausch findest Du mitunter im entsprechenden Forum-Bereich des PlayCatan-Forums: http://forum.playcatan.de/index.php?board=243.0

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