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Wie die Fürsten nach Catan kamen …

 
12. September 2012
Sebastian Rapp

Man soll ja nicht glauben, dass Spiele über Nacht geboren werden – oder Entscheidungen, Spiele betreffend, übers Knie gebrochen werden. Bereits im Jahr 2007, ein Jahr nach dem 10-jährigen Jubiläum des Catan-Kartenspiels, begannen Klaus Teuber und Kosmos über eine Neugestaltung des Catan-Kartenspiels zu sprechen. In der Erinnerung verschwimmt so etwas ja leicht, aber zum Glück gibt es ja Sitzungsprotokolle … 2007 ging es zunächst „nur“ um eine Neugestaltung, geplant für das Jahr 2010. Im nächsten Jahr waren die Überlegungen bereits vorangeschritten, aus der bloßen Neugestaltung war eine Komplettüberarbeitung des ganzen Spiels geworden – und der geplante Erscheinungstermin ins Frühjahr 2011 verschoben. 2009  wurde nicht nur die Veröffentlichung wieder zurück nach 2010 gezogen, es kamen auch weitere Details wie der Titel „Die Fürsten von Catan“ hinzu, auch die Struktur stand mittlerweile fest, Einführungsspiel plus 3 Themensets, ein Jahr später eine Erweiterung – und danach mal sehen. Bereits in Nürnberg 2010 wurde eine Schachtel und einige erste Karten gezeigt und tatsächlich waren „Die Fürsten von Catan“ pünktlich zum anvisierten Erscheinungstermin produziert und wurden erstmals auf der Catan WM 2010 gezeigt.

Was sich jetzt, in der Rückschau, nach einem verhältnismäßig stringenten, konsequenten und problemlosen Ablauf klingt, war natürlich zu keinem Zeitpunkt so einfach.

Die Entscheidung, das Catan-Kartenspiel zu überarbeiten, war recht schnell zu fällen. Nach über 10 Jahren auf dem Markt merkte man dem Spiel an, dass es grafisch nicht mehr up to date war, und dass das Grundspiel für Neueinsteiger, insbesondere im Vergleich zu jüngeren Spielen, mittlerweile zu lang und umfangreich war. (Nicht dass es jemals wirklich einfach gewesen wäre …) Auch die verschiedenen Versuche, mittels Regeländerungen und neuer Themensets einige Probleme des Kartenspiels zu beheben, konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Kartenspiel kein durchkomponiertes Gesamtkonzept hatte, sondern über die Jahre gewachsen war.  So manche Spielsituation war ohne Befragung der umfangreichen FAQ-Datenbank nicht aufzudröseln. Auch war der spielerische Schritt vom Erweiterten Grundspiel zum Turnierspiel sehr groß; der Wunsch, mehr als nur ein Themenset einzusetzen, ohne gleich die Turniervariante spielen zu müssen, war einer der meist geäußerten.

Die spielerische Umsetzung oblag Klaus Teuber und seinem Team – das war von Anfang an klar. Aber schon beim Titel wurde lang und breit diskutiert, müsste das Spiel nicht auch „Die Siedler von Catan“ heißen, darf man auf den eingeführten Begriff „Kartenspiel für 2 Spieler“ verzichten oder ist ein neuer Titel nicht doch angebrachter? Ist es überhaupt ein Kartenspiel und wie grenzt man es zum neuen „Siedler von Catan – Das schnelle Kartenspiel“ ab? Auch die Frage der Covergestaltung war zum Zeitpunkt der ersten Vorstellung noch nicht endgültig entschieden. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg wurde das Spiel noch mit diesem Cover vorgestellt:

Altes Fuersten Cover Schatten Wie die Fürsten nach Catan kamen ...

So sah es dann ein halbes Jahr später nicht mehr aus. Abgesehen von der Titelfindung und der Außengestaltung hatte das Team um Klaus Teuber aber freie Hand. Auch dass zunächst über ein Spiel und eine Erweiterung gesprochen worden war, aber schon vor der Veröffentlichung der Fürsten klar war, dass es (wenigstens) zwei Erweiterungen geben würde, stellte kein Problem dar.

Die eigentliche Arbeit aber fand hinter den Kulissen statt. Denn die Diskussionen um Titel und Cover waren natürlich nichts, verglichen mit den Diskussionen innerhalb des Redaktionsteams. 441 einzelne Threads gibt es im internen Catan-Forum zur Entwicklung der Fürsten und der beiden Erweiterungen (Threads zur Programmierung für PlayCatan und zur Turniervariante nicht mitgezählt) – deutlich mehr als es einzelne Karten im veröffentlichten Spiel samt Erweiterungen gibt. Knapp 5.000 Beiträge wurden von den vier Mitgliedern des Teams verfasst, dabei wurden Karten und Konzepte diskutiert, geändert, verworfen, mit neuer Funktion wieder ins Rennen gebracht und vieles mehr. Und natürlich gab es gegensätzliche Meinungen und Kontroversen – aber schlussendlich war war es immer konstruktiv – und jede Diskussion führte schlussendlich zu einem besseren Ergebnis, auch wenn nicht immer ein Konsenz aller erreicht werden konnte.

Die ersten Beiträge zu den Fürsten datieren vom Januar 2009, nachdem das erste Konzept von Klaus Teuber vorlag. Die bislang letzte Erweiterung, Goldene Zeiten, ist zum Zeitpunkt, zu dem ich diesen Text verfasse, bereits seit einigen Tagen in Druck. Der letzte Beitrag im Forum ist … von heute. It’s a never-ending story – und das, finde ich, ist auch gut so.

Sebastian Rapp, 30.7.2012

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