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Wie wird man eigentlich … Produktmanager für Catan

 
14. Januar 2010
Sebastian Rapp

Mein Name ist Sebastian Rapp und ich bin Produktmanager Catan bei KOSMOS. Klingt beeindruckend, nicht wahr? Früher habe ich mich auch gerne als „Mädchen für alles bei KOSMOS, Catan betreffend“ genannt, aber seit ich von Carol im Marketing unterstützt werde, bin ich zum Glück nur noch das „Mädchen für fast alles“ …

Wenn ich gefragt werde, was ich beruflich mache, kommt interessanterweise gar nicht so oft die Frage, was man denn als „Produktmanager für Catan“ tut. Viel öfter werde ich gefragt, wie man so was wird.

Das mag damit zusammenhängen, dass ich beruflich wie privat sehr viel mit Menschen zu tun habe, die sich für Spiele interessieren und denen „Catan“ natürlich ein Begriff ist. Und für die ist es viel spannender, zu erfahren, wie man überhaupt dazu kommt, sich beruflich mit Spielen zu befassen. Denn für viele ist „Spieleredakteur“ ja so was wie ein Traumjob. Und vermutlich liege ich nicht ganz falsch, wenn ich vermute, dass dies auch für viele Leser dieses Blogs gilt. Für mich galt es vor bald 10 Jahren auf jeden Fall – und daher will ich in meinem ersten Blog berichten, wie ich zu Catan gekommen bin. Was es tatsächlich bedeutet, „Produktmanager für Catan“ bzw. „Spieleredakteur“ zu sein und ob man dabei wirklich den lieben langen Tag ausschließlich mit Spielen verbringt (ja, gut aufgepasst, das ist doppeldeutig!), verschiebe ich daher auf später.

Catan Regal klein Wie wird man eigentlich ... Produktmanager für Catan

Regal mit Catan-Spielen

Zunächst mal zu der Frage, wie man sich ausbildungsmäßig am besten rüstet, um in der Spielebranche Fuß zu fassen: Das ist ganz einfach – es ist nämlich ziemlich egal. Na gut, nicht vollkommen egal. Ein abgeschlossenes Studium ist hilfreich, da man da schon mal unter Beweis gestellt hat (bzw. haben sollte), dass man mit geschriebener Sprache umgehen kann und Textverständnis mitbringt. Notwendig ist ein Studium aber ganz und gar nicht – das Textverständnis und die Fähigkeit, sich schriftlich zu artikulieren, hingegen ist unabdingbar.

Catan Schreibtisch2 klein Wie wird man eigentlich ... Produktmanager für Catan

Catan und ein Wörterbuch auf dem Schreibtisch

Abgesehen von sicherer Orthografie, braucht man aber vor allem eines: Spiele-Begeisterung. Und dann braucht man noch entweder Glück oder Beziehungen. „Beziehungen“ allerdings nicht im herkömmlichen Sinn, dass man ein toller Networker ist und 1.000 Kontakte bei Xing oder ähnlichen Plattformen hat. Die Brettspielszene ist klein und fast jeder kennt fast jeden. Es ist gar nicht so schwer, Spielredakteure kennen zu lernen. Dies kann auf Spielertreffen oder Spieleabenden geschehen, aber z. B. auch in der Brettspielwelt oder bei einem Praktikum in einem Verlag. Eigentlich überall, wo gespielt wird, solange es in einem halbwegs öffentlichen Umfeld geschieht. Am eigenen Wohnzimmertisch trifft man Spielredakteure indes nur selten, eigentlich nur dann, wenn man sie woanders schon kennen gelernt hat. Kennt man einen Spieleredakteur, dann hat man beinahe zwangsläufig auch Kontakt zu vielen anderen. Und wenn Verlag A jemanden sucht und ein Redakteur von Verlag B jemanden kennt, den er für interessiert und geeignet hält, dann ist das zwar noch nicht die halbe Miete, aber ganz sicher ein Vorteil.

Heute weiß ich das alles.
Vor 10 Jahren wusste ich das nicht.
Deswegen hatte ich einfach nur Glück.

Ich habe zeitlebens gespielt, ab Studienbeginn 1990 auch sehr viel und intensiv, insbesondere Importspiele aus den USA, aber natürlich auch deutsche Spiele, so sie denn anspruchsvoll genug waren. Bis 1994 war das eher schwierig, ab 1995 änderte sich das mit den Siedlern von Catan zum Glück. (Ja, ich habe eine der seltenen Erstauflagen mit schwarzem Franckh-Logo und ohne „Spiel des Jahres“-Pöppel, mit zusätzlichem orangefarbenem Figurensatz, original gekauft, gleich nach Erscheinen!) Ich war Mitglied eines Spielevereins, war seit 1991 jedes Jahr in Essen, nahm an den Deutschen Brettspielmeisterschaften teil usw. Kontakte hatte ich dennoch praktisch keine.

Irgendwann war das Studium abgeschlossen, es war Anfang 1998, „Gründerzeit“, Start-Ups schossen wie Pilze aus dem Boden. Ich schlug mich zunächst in einem solchen durch, das sich u. a. mit dem schon damals aussterbenden Bereich der Postspiele befasste. Es war ein Anfang, und Essen durfte ich 1998 zum ersten Mal nicht als Besucher, sondern als Aussteller kennen lernen. Das ging etwas mehr als ein Jahr lang gut, dann ging der Firma langsam aber sicher das Geld aus und ich begann mich notgedrungen anderweitig umzusehen. Aber für Germanisten und Kulturwissenschaftler waren die Angebote schon damals nicht sehr üppig, schon gar nicht die, die mich interessiert hätten.

Catan Schreibtisch klein Wie wird man eigentlich ... Produktmanager für Catan

Catan Spiele auf dem Schreibtisch

Daher war ich hocherfreut als ich auf eine Stellenanzeige von KOSMOS stieß, in der ein Volontariat im Kinder- und Jugendbuch ausgeschrieben war. Kinderbücher standen zwar nicht ganz oben auf meiner Interessenliste, aber eine Lektoriatsstelle konnte ich mir durchaus vorstellen, insbesondere bei KOSMOS, denn „Die 3 ???“ hatte ich früher natürlich auch viel gelesen. Viel interessanter war für mich jedoch, dass es eine Stelle bei KOSMOS war, KOSMOS, der Verlag, der maßgeblich daran beteiligt gewesen war, dass man auch als „echter Spieler“ Spiele aus Deutschland wieder spielen konnte, KOSMOS, der zudem noch in Stuttgart beheimatet ist. Denn zu einem Spieleverlag wollte ich ja gerne, noch besser, zu einem Spieleverlag, der in meiner Heimat, dem Schwabenland, ansässig ist.

Um es kurz zu machen: Zu dem Vorstellungsgespräch im Kinder- und Jugendbuch wurde ich gar nicht erst eingeladen. Meine Bewerbungsunterlagen schienen mich wohl eher für eine Stelle im Spielebereich zu prädestinieren. Welcher damals noch derselben Abteilung wie das Kinder- und Jugendbuch zugehörig war. Und wie der Zufall es wollte, gab es im Catan-Bereich gerade eine zu besetzende, aber wohl noch gar nicht öffentlich ausgeschriebene Volontariatsstelle. Daher lud man mich zum Vorstellungsgespräch ein – und offensichtlich sparte man sich danach die Mühe, noch weiter zu suchen bzw. mit der Suche überhaupt erst zu beginnen.

Sebastian Schreibtisch Wie wird man eigentlich ... Produktmanager für Catan

Sebastian Rapp im Büro (Foto von Krauti)

Keine sechs Wochen später saß ich dann auch schon bei KOSMOS. Und da sitze ich immer noch – auch wenn es mittlerweile ein anderes Büro ist.

Bis zum nächsten Mal!

Sebastian Rapp

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