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Mein erstes Spiel

 
24. September 2009
Benjamin Teuber

Es ist natürlich klar, auch ich habe mich schon mal an einem Spiel versucht. Damals war ich ganze fünf Jahre alt. Es ist eine schöne Geschichte, an die ich gerne zurück denke. Das Spiel gibt es sogar immer noch. Daher habe ich auch die wunderbare Gelegenheit, diesen Beitrag direkt mit dem damaligen Spielplan zu dokumentieren. Im Folgenden erzähle ich euch die Geschichte meines ersten Spieles, ein Einblick in die Welt eines 5-jährigen, der sich sicher war, den großen Durchbruch geschafft zu haben!

Die Story des Spieles

…hätte ich damals natürlich auf keinen Fall preisgegeben! Denn die war in meinen Augen so was von brandheiß, dass ich das Spiel nach jeder Bearbeitung unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erstmal in meinen Geheimschrank zu den Fritt-Kaubonbons und meinen Ersparnissen in Höhe von 6,50 DM (Schätzwert) geschlossen habe. Knapp 20 Jahre später, denke ich, kann ich das Geheimnis aber lüften. Also nochmal …

Die Story

Drei oder vier Spieler stecken in der Rolle von Kuni von Kuniburg. Ich sah es damals als nicht kritisch an, dass 4 Spieler den gleichen Charakter spielen. Dank Klontechnik war Dolly das Schaf ein paar Jahre später ja auch schon unterwegs.

Das Ziel der Klon-Kunis war es, ein Burgfräulein zu retten.
„Gar nicht mal so schlecht die Story“, dachte ich mir. “Aber da steckt noch mehr drin!“ Also haben die 3-4 Kunis gleich noch den Auftrag bekommen, auf dem Weg möglichst viel Gold einzusammeln und am Ende einen Schatz zu finden.
„Genialer Einfall!“, dachte ich und rieb mir vergnügt die Hände. “Damit steht die Geschichte!“ Ich war rundum zufrieden. Ritter und das ganze Mittelalterthema waren hoch aktuell für mich und das Thema aus meiner Sicht natürlich auch dementsprechend attraktiv für den Rest der Welt.

Der Spielmechanismus

Nun ging es ans Eingemachte. Der Spielmechanismus. Im Micky Maus-Heft gab es mal ein Spiel, bei dem man nach dem Würfeln mit dem Pöppel vorzog und Ereignisse über sich ergehen ließ wie etwa: „Goofy blieb mit seiner langen Nase beim Zähne putzen im Waschbecken hängen. Nun muss der Klempner kommen. Setze eine Runde aus.“
Wer zuerst ins Ziel kommt, gewinnt. Kennt man ja.

Mein Spiel sollte alles Herkömmliche revolutionieren! Also nahm ich statt eines 6-seitigen einen 3-seitigen Würfel.
„Das ist doch schon mal was“, dachte ich mir in meinem Kinderzimmer, wahrscheinlich versunken in einer ähnlichen Position wie „Der Denker“ von Rodin. Ich wusste jedoch, dass das allein nicht ausreicht. Also entwickelte ich die „Kuni-Coins“, mittels deren Einsatz man ein Feld überspringen durfte. Ich war mir sicher, ein noch nie da gewesenes Spielelement entdeckt zuhaben – immerhin kam das Micky Maus-Magazin anscheinend nicht auf diese Idee.

Bennys erstes Spiel klein Mein erstes Spiel

Finde den Schatz, dann wirst du reich!

Die Ausarbeitung

Die Ereignisfelder habe ich mit Symbolen beschriftet. Unsere Kunis konnten beispielsweise in regelmäßigen Abständen über Sträucher und Wurzeln stolpern; man musste also aussetzen. Verlor man sein Geld, musste man 3 Felder zurück.
Alles in allem kam man mit ca. 2-3 Kuni-Coins oben in der Burg an. Auch damals hätte man sich dafür nicht mehr als eine blecherne Bettpfanne leisten können.

„Nun bleibt mir noch ein Problem – wer schreibt mir die Spielregel?“ Mein Bruder hatte mir vor meiner Einschulung schon ein paar Buchstaben gezeigt, aber meine Treffsicherheit auf der Schreibmaschine erinnerte stark an Dosenwerfen nach 8 Bier. Letztendlich habe ich dann doch meinen Bruder gefragt. Ich machte ihm allerdings von vornherein klar, dass ich ihn am Erfolg des Spieles nicht beteiligen könne. Es erschien mir damals äußerst verdächtig, dass er so widerstandslos und gut gelaunt einverstanden war.

Zuletzt habe ich also meine 4 Kuni-Kunststoffpöppel, die Kuni-Coins aus Papier, die Spielregel meines Bruders und den handgemalten DIN A3 Spielplan in eine überdimensionierte Verpackung gesteckt (das Spielmaterial hätte dort in 50-facher Ausführung hineingepasst) und mein Werk war fertig! Es hieß übrigens „Finde den Schatz, dann wirst du reich!“. Originell, nicht? So groß die Packung auch gewesen sein mag: „Rette das Burgfräulein, suche nach möglichst viel Gold auf dem Weg und finde den Schatz, dann wirst du reich!“ war mir wohl einfach zu lang.

Das Marketing

Nun musste ich das Spiel nur noch irgendwie auf den Markt bringen. Also habe ich mir die beinahe meiner Körpergröße entsprechende große Box unter den Arm geklemmt und bin damit zu meinem Vater. Hätte es damals schon PowerPoint gegeben, wäre meine Präsentation sicher etwas professioneller verlaufen. So haben wir uns dann auf ein Testspiel beschränkt.

Nach ca. 2 Spielzügen fragte ich ihn bereits, ob er es mal zu einem Verlag mitnimmt, und wie er die Chancen einschätzt. In meinen verschwommenen Erinnerungen murmelte er irgendwas von einem Eis im Kühlschrank. Als ich nicht locker ließ, meinte er, dass er glaube, so etwas Ähnliches schon einmal irgendwo gesehen zu haben, aber dass der Ansatz schon echt gut sei. Wenn man da noch mal drüber schauen würde, könne man das eines Tages sicher mal irgendwo unterbringen. Damit war ich eigentlich schon recht zufrieden! Seitdem habe ich allerdings kein Update mehr bekommen …

Da werde ich doch gleich mal nachfragen gehen!

Benjamin Teuber

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