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Guten Tag, ich bin Producer …

 
22. Juli 2009
Arnd Beenen

Guido hat sich in seinem Blog-Beitrag ja bereits über die Herausforderung geäußert, beim Kennenlernen über seinen Arbeitsplatz zu sprechen. Ich kann das natürlich gut nachvollziehen, denn mir geht es ja genauso. Als verschärfte Variante kann ich dann als nächstes erklären, was denn nun meine Funktion in dieser Firma ist, denn Spieleautor bin ich ja scheinbar nicht, auch wenn ich in den ersten Sekunden ehrlicherweise die anerkennenden Blicke des Gegenübers genieße, bis ich sage: “Nee, erfunden hat es mein Chef.”

Nun, ich bin Producer. Alles klar? Nein, meistens eigentlich nicht. Und ich kann das auch durchaus nachvollziehen, denn den Begriff “Producer” kennt man bestenfalls aus dem Filmgeschäft und dort hat er einige Mythen gebildet.
“Du bist also der Jerry Bruckheimer der Brettspiele, was?” Nein, nicht wirklich, aber die Tätigkeiten eines Producers sind in jeder Branche durchaus vergleichbar. Ich will meinen ersten Blog-Beitrag mal dazu nutzen, etwas Einblicke in meine Arbeit und damit auch in die Arbeit hinter den Kulissen der Catan GmbH zu geben.

Die Catan GmbH, um dies vorab zu erklären, hat keine Büros im herkömmlichen Sinne. Es gibt natürlich unser “Hauptquartier” bei Klaus in Rossdorf, aber grundsätzlich arbeitet jeder von uns quasi “zu Hause”. Das hat den Vorteil, dass ich mich in der wundervollen Stadt Hamburg niederlassen konnte und dank Internet mit Klaus und meinen Kollegen so zusammenarbeiten kann, als säßen wir gemeinsam in einem Gebäude. Gut, die Kaffeepausen sind etwas einsamer, aber das ist zu verschmerzen. Im Durchschnitt treffen wir uns zudem einmal im Monat in Rossdorf, um aktuelle Projekte zu besprechen, Prototypen zu testen und über zukünftige Planungen zu diskutieren.

catan runde 400 Guten Tag, ich bin Producer ...

Catan-Runde: Gero, Arnd und Guido (v.l.n.r.)

Aber zurück zum Berufsbild des Producers. Ein Producer, und das ist im Filmbusiness durchaus ähnlich, entwickelt und leitet ein Projekt. Im Grunde also ein Projektleiter allerdings mit deutlich mehr Befugnissen und einem “weiteren Blickfeld”. Ein Producer plant und koordiniert die einzelnen Aufgaben, welche nötig sind, das Projekt in Gang zu bringen und dann auch durchzuführen. Da wir eine kleine Firma sind, fallen in meinen Aufgabenbereich noch weit mehr Tätigkeiten als dies bei größeren Firmen der Fall ist, die deutlich differenziertere Arbeitsplätze besitzen. So nehme ich zu meiner eigenen Freude u.a. auch an der Entwicklung der Brettspiele von Klaus teil, bin aber in erster Linie für den elektronischen Bereich, also Computerspiele, Onlinewelt, Catanshop etc. zuständig.
Entschließen wir uns, eine Idee umzusetzen, so erarbeiten Klaus und ich zusammen ein Konzept, wobei Ideen und Anmerkungen der Kollegen und User häufig in die Konzeptphase mit einfließen. Mein Job ist es dabei zusätzlich, die Machbarkeit und Kosten im Blick zu halten. Anschließend kümmere ich mich darum, die nötigen Programmierer, Grafiker, Musiker, Texter etc. auszuwählen und für das Projekt anzuheuern. Läuft das Projekt einmal, bin ich die zentrale Koordinierungsstelle und dafür verantwortlich, dass alles im Zeitrahmen und im Budget bleibt.
Da wir neben der Verfolgung unserer eigenen Projekten auch Lizenzen an Dritte vergeben, bin ich im elektronischen Bereich (z.B. Catan für Handy, Nintendo DS, XBOX 360, Playstation 3 etc.) auch für solche Projekte zuständig, handele also die Verträge mit aus, arbeite ggf. am Konzept mit und bin erster Ansprechpartner für den Lizenznehmer.

Tja, und wie sieht so ein Arbeitstag aus? Meine Frau sagte einmal, ich würde doch den ganzen Tag nur telefonieren. Das ist sicherlich übertrieben, aber auch nicht ganz falsch.  Kommunikation (egal ob über Telefon, Skype oder Email) ist so gesehen die Hauptaufgabe meines Berufes. Irgendwo ist immer irgendetwas zu diskutieren, zu klären, anzuordnen, zu vermitteln oder auch zu beschwichtigen. Dabei heißt es aber oft genug, auch selber anzupacken und z.B. Grafiken zu konvertieren, Texte zu schreiben, Tests durchzuführen oder eine Service-Anfrage zu beantworten. Aber das macht den Job auch so abwechslungsreich und deshalb würde ich ihn gegen keinen anderen Job der Welt eintauschen

Und wie wird man so etwas? Nun, ich interessierte mich zwar früh für Brettspiele und insbesondere Fantasy Rollenspiele, dass ich aber mal in der Spieleindustrie landen würde, war nicht unbedingt abgemacht. Nachdem ich mit den ersten Heimcomputern aufgewachsen war, wollte ich damals – wie so mancher -  “irgendwas mit Computer” machen  und studierte daher Wirtschaftsinformatik. Direkt nach dem Studium fragte mich dann ein Freund, ob ich in seiner Computerspielefirma mitmachen wollte, was ich zum Leidwesen meiner Eltern bejahte, auch dem Gedanken verfangen, dass ich später immer noch nach IBM, SAP und Konsorten wechseln könnte. Das war natürlich ein Trugschluss, denn arbeitet man einmal in der Spieleindustrie, ist man meist für die seriöse Welt der Banken und Softwareunternehmen “verloren”. Bei der Wahl ob man Spiele produzieren darf, welche (hoffentlich) vielen Menschen Freude bereiten oder aber eine Datenbank für einen Versicherer entwickeln muss, fällt die Entscheidung allerdings meistens leicht aus.
Zu Catan kam ich vor etwa 7 Jahren, nachdem ich Klaus bei einem gemeinsamen Projekt (“Catan – Das Kartenspiel für den PC”) kennengelernt hatte und er mich dann später als ersten Mitarbeiter seiner frisch gegründeten Catan GmbH anheuerte. Mit der Idee einer Onlinewelt für Catan Spieler im Kopf suchte er nach jemandem, der sich um die elektronische Seite Catans kümmern sollte, eben einen Producer. Ich nahm das Angebot gerne an und bereute es nie. Und auch meine Eltern sind mittlerweile mit meiner Berufswahl doch recht zufrieden.

Arnd Beenen

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