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Favorite FAQs

 
8. Juli 2009
Benjamin Teuber

„Wie oder was arbeitet dein Vater eigentlich den ganzen Tag so als Spieleerfinder?“

Diese Frage bekomme ich in verschiedenen Varianten schon mein ganzes Leben gestellt. Jeder, der selbst schon mal das Nudelholz geschwungen hat, weiß eigentlich mehr oder weniger, wie ein Bäcker arbeitet, und man braucht auch keinen grünen Daumen, um zu wissen, wie der Tag eines Gärtners ungefähr aussehen könnte. Bei einem Spieleerfinder scheint das anders zu sein. Ich kann das auch, ehrlich gesagt, gut nachvollziehen; man erfindet ja nicht den ganzen Tag lang Brettspiele.

So haben sich im Laufe der Jahre ein paar Fragen herauskristallisiert, die mir sicher schon so häufig in meinem Leben gestellt wurden, dass sie rein quantitativ für einen Jahresvorrat Quizfragen von Günter Jauch ausreichen würden. Nicht, dass mich das stören würde. Und es gibt ja auch bekanntlich keine dummen Fragen. Wohl gibt es aber solche, die man schon so oft gestellt bekommen hat, dass man die Wahl zwischen Gähn- oder Lachreiz hat.

Ein Gähnen macht sich unter Umständen bemerkbar, wenn ich meine „normale“ Antwort gebe, also die, die stimmt und die ich natürlich auch meistens wähle – ich will ja gerne Auskunft geben. Heiterkeit gab es aber auch schon vermehrt, wenn ich mit Antwortvariante 2 herausgerückt habe. Da ich das in der Regel recht trocken rüberbringe, dauert es öfter mal ein paar Sekunden, bis dem verständnislosen Stirnrunzeln ein verstehendes Lächeln folgt.

Darauf sind Sie, lieber Leser, ja nun besser vorbereitet. Im Folgenden je beide Antwortvarianten meiner “Favorite FAQs“:

FAQ 1: Wie arbeitet dein Vater eigentlich so, sitzt er den ganzen Tag am Tisch und grübelt über neue Ideen nach?

Der Gähner:
Nein, es gehört eine ganze Menge mehr „Backoffice“ dazu, wie Telefonate führen, E-Mails schreiben, Prototypen basteln oder auch auf Geschäftsreisen gehen, etc. Ich denke manchmal, dass er gerne mehr Zeit für den kreativen Part aufwenden würde, aber der Rest muss eben auch erledigt werden.

Der Schmunzler:
Richtig, genau so ist das. Morgens um halb 8 steht er auf und setzt sich an seinen Tisch. Dort stützt er dann seinen Kopf mit der Hand ab und denkt einfach den ganzen Tag lang nur nach. Einmal dachte ich kurz, jetzt ist es soweit und er ist mit der Platte verwachsen. Das war dann aber doch nur wegen einer ausgelaufenen Tube Uhu.

FAQ 2: Wurdest du als Kind zum Testen neuer Spiele gezwungen?

Informativ ist:
Nein, das würde keinen Sinn machen. Auch für ein Testspiel sollte man sich mit Lust aufs Spiel an den Tisch setzen – so wie es später beim richtigen Spiel ja auch ist. Es gab bei uns weder feste „Spieltage“ noch die Pflicht, mitzuspielen. Wer keine Lust hatte, hat einfach nicht mitgemacht.

So trocken wie ich kann, sage ich manchmal:
Ja, regelmäßig. Wir hatten ein so genanntes „Spielelabor“ im Keller, in das wir unter Ausschluss von Sonnenlicht jeden Tag 6 Stunden lang zum Testen neuer Spiele eingeschlossen wurden. So kam natürlich richtig Freude auf. Die Spiele haben wir dann per Checkliste auf Logik und Spielspaß geprüft. Ich glaube, das hat auch wirklich maßgeblich zum Erfolg beigetragen.

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FAQ 3: Spielst du auch gerne andere Spiele, oder dürfen es ohnehin nur die aus dem Hause Teuber sein?

Ein Ferrari unter den Gähnern:
Ich glaube, die Familie eines Buchautors liest auch nicht nur die von ihm veröffentlichen Werke. Wir spielen in der Familie sehr gerne andere Spiele und versuchen zumindest immer die Neuheiten des Jahres kennen zu lernen. Es ist dann eher eine Zeitfrage.

Nicht ganz so ernsthaft sage ich:
Machst du Witze? Schon am Hauseingang durchsuchen meine Eltern die Taschen meiner Freunde nach fremden Spielen. Fundstücke kommen ohne Umweg in den gelben Sack, da gibt’s auch keine Ausnahme. Mit 16 haben sie mich mal bei einer Runde „Risiko“ erwischt – da war mein Taschengeld natürlich erstmal gestrichen!

FAQ 4: Du hast doch sicher auch schon ein Spiel erfunden? Möchtest du in die Fußstapfen deines Vaters treten?

08/15-mäßige Antwort:
Man weiß ja nie was passiert. Ich hatte mal Ansätze, aber die haben sich dann im Sand verlaufen, das kommt oder eben nicht. Erzwingen kann man da gar nichts.

Mit einem Hauch Ironie:
Sicher! Spieleerfinden ist ja bekanntermaßen erblich, was habe ich also für eine Wahl?

Es gibt aber auch Fragen, auf die ich selbst nach dem 1000sten Mal immer noch gerne genau die gleiche Antwort gebe. Manchmal gibt es einfach keine Alternativen.

FAQ 5: Wie war es im Kindesalter, einen Spielerfinder als Vater zu haben?

Großartig! Man hatte ständig neue Spiele im Regal, mehr als man überhaupt spielen konnte. Meistens gab es auch jemanden zum Ausprobieren. Einen besseren Job kann man sich als Kind für seinen Vater wohl kaum wünschen!

Benjamin Teuber

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