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Womit verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?

 
29. Juni 2009
Guido Teuber

„Also, …womit verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?”

Neue Bekanntschaften stellen diese Art von Fragen scheinbar immer. Im Laufe der Zeit habe ich verschiedene Antworten ausprobiert.

Anfänglich pflegte ich zu sagen: „Ich bin in der Brettspielbranche tätig. ” Für gewöhnlich machten die Leute dann große Augen und sagten „Oh …”.

Ich habe mich immer gefragt, was die Leute mit „Oh …” sagen wollten. Vielleicht meinten sie „Oh … das tut mir aber leid” oder auch „Oh … können Sie damit tatsächlich Ihren Lebensunterhalt bestreiten?”

Eher wohlvollende Menschen schenkten mir sogar oft einen mitleidsvollen Blick, als ob sie die Brettspielbranche mit einer langfristigen Arbeitslosigkeit gleichsetzen würden. Ich hegte des Öfteren den Verdacht, dass einige der so reagierenden Leute kurz davor waren, mir zwecks Aufbesserung meines Arbeitslosengeldes einen Scheck auszustellen.

Mir wurde schnell klar, dass, falls ich meine von den Leuten vermutete finanzielle Lage in besserem Licht darstellen wollte, ich mir eine andere Antwort auszudenken hatte. Als ich eine Hypothek beantragte, versuchte ich’s mit „Ich bin in der Video- und PC-Spiel-Branche.“ Diese Antwort erhielt mehr “Ahs” als “Ohs”.
“Ah …” wie in „Ah, wie interessant“ oder “Ah … ich habe gehört, dass man in dieser Branche eine Menge Geld machen kann!“

Während die letztere Antwort mehr positive und zusagende Erwiderungen hervorrief als die davor benutzte, gab sie mir doch das Gefühl, ich würde damit meine Basis verleugnen. Das, womit ich hauptsächlich beschäftigt bin, hat unbestreitbar mit Brettspielen zu tun! Es stimmt schon – heutzutage können unsere Spiele auf verschiedenen Plattformen wie zum Beispiel PC, Xbox, Nintendo DS, Handys usw. gespielt werden. Es wäre aber nicht fair zu sagen, dass die elektronischen Präsentationsformen von Catan das Fundament unseres Geschäfts bilden.

Für kurze Zeit verbarg ich mich hinter Vagheiten, indem ich antwortete: “Mein Vater und ich haben eine Medienfirma“, „Ich bin im Verlagswesen tätig“ oder, noch schlimmer, „Ich arbeite in der Unterhaltungsbranche“.
Als ich Craig vorgestellt wurde, heute einer meiner besten Freunde, sagte ich, ich wäre in der Spieleindustrie. Er dachte für sehr lange Zeit, ich arbeitete für ein Spielkasino.

Meiner ausweichenden Antworten überdrüssig, sagte ich schließlich: „Mein Vater und ich haben eine Brettspielfirma. Wir produzieren auch Video- und PC-Spiele.” Ich bin außerordentlich stolz auf das, was ich tue, und wirklich sehr glücklich mit meiner Arbeit, aber meine Antwort kam immer noch aus seiner defensiven Haltung heraus und hatte einen Anflug von Gereiztheit.

Es ist wirklich interessant, dass eine der ersten Sachen, wonach man von vielen Menschen gefragt wird, sich auf unsere Arbeit bezieht. Die Antwort auf diese Frage scheint die nahezu alles bestimmende Basis dafür zu sein, wie wir beurteilt und bewertet werden. Mir wurde bewusst, dass ich tiefer graben musste um eine zutreffende und angemessene Antwort zu finden.

Während ich darüber nachdachte, fragte ich mich, warum mir eigentlich Brettspiele gefielen, und warum ich in der Spielebranche arbeite. Ich muss zugeben, dass ich jemand bin der Spiele nur bei Gelegenheit spielt. Ich sage “nur”, weil ich wohl nicht jeden einzelnen Spielekongress besuche, keine riesige Brettspielbibliothek besitze und mein siebenjähriger Sohn mich mühelos bei den meisten Videospielen besiegt. Zudem beginne ich meinen Tag nicht mit einem Besuch von www.boardgamegeek.com, der erstklassigen Website für Spieler (obwohl ich es wahrscheinlich tun sollte).

Guido Rollerblading klein Womit verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?

Kochen mit Rollerblades vor dem Spielabend

Stattdessen ziehe ich es vor, neben dem Spielespielen diversen Hobbies nachzugehen – unter anderem Yoga zu praktizieren, zu lesen, zu laufen, Rollerblade zu laufen, Felsen zu beklettern, Fallschirm zu springen (was ich zugegebenermaßen nur einmal gemacht habe), zu reisen, zu kochen und Leute einzuladen, Wein zu trinken, mich bezüglich meines Interesses an internationalen Angelegenheiten auf dem Laufenden zu halten – und natürlich mich meiner Familie zu widmen (Emily, Liam, Leif, Hund, Katze sowie Hühnern, die verblüffend große Eier legen). Mir macht es großen Spaß, wenn gute Freunde vorbeikommen, wir bei einem netten Abendessen zusammen eine Flasche Wein leeren und danach Brettspiele spielen.

Obwohl ich Spiele nur bei Gelegenheit spiele, habe ich fast mein ganzes Leben im Umfeld von Spielen verbracht. In diesem Sinn habe ich immer mit dem gelebt, womit ich meinen Lebensunterhalt verdiene. In meiner Kindheit pflegte mein Vater seine Spieledesigns im internen Familienkreis auszuprobieren. Auf diese Weise lud er uns dazu ein, neue Welten zu erleben, Geschichtskenntnisse zu erwerben, kreativ zu sein und unsere Fähigkeit zum kritischen Denken zu schulen.

Guido Gitarre klein Womit verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?

Meine erste Gitarre

Meine Kindheit war erfüllt mit diesen wunderbaren Spielekreationen.

Als ich 15 Jahre alt war, schenkten meine Eltern mir eine Guitarre, was mich für eine Zeitlang vom Spielespielen wegriss. Ein paar Jahre später – nach dem Auftauchen aus meinen wortkargen, recht verworrenen und rebellischen Teenagerjahren, die mit einer Leidenschaft für Folk-Punk erfüllt waren – entdeckte ich die Freude am Brettspiel wieder.

Guido Bausack klein Womit verdienen Sie Ihren Lebensunterhalt?

Konzentriert beim Spiel „Bausack“

Brettspiele verbinden mich sowohl mit der Vergangenheit als auch mit der Zukunft.

Sie gestatten mir, Verbindungen zu Menschen aufzubauen, schöne Stunden mit Familie und Freunden zu verbringen, neue Erfahrungen zu machen, zu gewinnen und zu verlieren und neue, reale und vorgestellte Welten zu erleben.

Heutzutage sage ich einfach: „Wir machen Brettspiele.“ Das kann ich mit viel Gelassenheit und Stolz bekunden, weil mir mein Vater mit seiner Leidenschaft für Brettspiele eine grenzenlose Lebensneugier eingeflößt hat. Ich freue mich darüber, eine Gelegenheit zu haben dieses Gefühl des Neugier an Leute jeden Alters, Herkunft und Gesellschaftsschicht weiter zu geben.

Guido Teuber

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