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Die Wikinger und Catan

 
16. Juni 2009
Klaus Teuber

Als ich Anfang der 90er Jahre begann, „Die Siedler von Catan“ zu entwickeln, standen die Wikinger Pate.

Die Geschichte der Männer und Frauen aus dem frühmittelalterlichen Skandinavien hatte mich schon als Kind fasziniert. Mag sein, dass dafür die Elastolin Wikingerfiguren der Firma Hausser verantwortlich waren, die ich mit 10 oder 11 Jahren geschenkt bekam. Voller Ignoranz den wahren geschichtlichen Gegebenheiten gegenüber ließ ich sie damals gegen römische Legionäre kämpfen.

Elastolin klein Die Wikinger und Catan

Elastolin Wikingerfiguren

Später las ich viel über die Wikinger und erfuhr, dass so manches Klischee nicht stimmt. So trugen sie keine Hörner auf ihren Helmen und waren zumeist fleißige Bauern und findige Händler. Nur diejenigen, die zu Raubzügen aufbrachen, nannten sich Wikinger.
Besonders beeindruckt war ich von ihren hochseetüchtigen Schiffen und den Entdeckerfahrten, die sie damit unternahmen. So besiedelten sie Island und entdeckten Grönland und lange vor Columbus auch Amerika, was heute zweifelsfrei bewiesen ist.

Wenn also ein Volk im Mittelalter dazu in der Lage gewesen wäre, Catan irgendwo in den Weiten des Atlantiks zu entdecken, so wären es die Wikinger gewesen.

Bei der Entwicklung des Spiels Anfang der 90er Jahre hatte ich zunächst Island vor Augen, das in der Zeit des frühen Mittelalters wärmer als heute war. Auf der Insel im hohen Norden gab es bei der Ankunft der ersten Siedler Birkenwälder, die jedoch ziemlich schnell für den Bau von Langhäusern und Schiffen abgeholzt wurden. Spärlich wuchs hier und da wohl auch etwas Getreide. Nur die Schafe und Pferde gediehen gut auf den wenigen Weidegebieten der sonst kargen Vulkaninsel. So war der Handel wohl das wichtigste Hilfsmittel der isländischen Siedler, um an die lebensnotwendigen Güter Erz, Getreide und Holz zu kommen.

Nach der Veröffentlichung des Spiels „Die Siedler von Catan“ im Jahre 1995 erschien mir die Insel Catan doch fruchtbarer und klimatisch günstiger als Island, und so siedelte ich sie in meiner Phantasie irgendwo im Atlantik an, weiter südlich von Island.
Ende der 90er Jahre erstand ich eine wunderschöne Nachbildung eines kleinen Wikinger-Langschiffs mit 14 Ruderbänken (historisch belegt sind auch Langschiffe mit bis zu 78 Ruderbänken).

Wikinger Langschiff klein Die Wikinger und Catan

Wikinger-Langschiff mit 14 Ruderbänken

Wikiner Langschiff Details klein 300x225 Die Wikinger und CatanDas Schiff war mit sehr  detailverliebt bemalten Wikinger-Zinnfiguren bemannt, denen die Anstrengung beim Rudern so realistisch  ins Gesicht gemalt war, dass man bei ihrem Anblick fast den Schweiß ihrer schweren Arbeit zu riechen vermeinte.

Immer wenn ich mir das scheinbar gebrechliche, in Wirklichkeit jedoch hochseetüchtige Schiff betrachtete, ahnte ich, welch ungeheure Leistung die Wikinger bei Ihren Fahrten im oft stürmischen Atlantik vollbrachten.
So bekam ich langsam ein paar Ideen wie es sich hätte abspielen können wenn es Catan wirklich irgendwo im Atlantik gegeben und die Wikinger es entdeckt hätten.Catan Roman 250x400 Die Wikinger und Catan

Es juckte mich zwar in den Fingern diese Ideen in einem Roman zu verarbeiten, aber ich befürchtete, dass ich nicht genügend Talent zum Schreiben hatte.

Dann fiel mir der Roman „Das Lächeln der Fortuna“ der Bestsellerautorin Rebecca Gablé in die Hände. Ich war hingerissen von dieser Geschichte einer Familie im englischen Mittelalter und vom Schreibstil der Autorin, der den Charakteren Fleisch und Blut verlieh.

Kurz entschlossen reiste ich im Jahr 2000 zur Buchmesse nach Frankfurt und traf Frau Gablé. Drei Jahre später hatte sie allen Freunden Catans die spannende und einfühlsame Geschichte der Menschen des Dorfes Elasund geschenkt, die, von Nöten getrieben, ihre Heimat Norwegen verließen und zu den ersten Siedlern von Catan wurden.

Candamir klein Die Wikinger und CatanDer Roman von Frau Gablé inspirierte mich wiederum zu den beiden Spielen Candamir und Elasund.
Candamir ist ein Rollenspiel, in dem man als mittelloser Held bzw. mittellose Heldin einige Charaktere des Romans wie Candamir, Osmund, Sieglind oder Brigitta trifft und von ihnen unterschiedliche Aufgaben gestellt bekommt. Nur wer diese Aufgaben erfüllt und auf seinen Reisen quer durch Catan auch vor Bären oder Wölfen nicht Reißaus nimmt, bringt es auf Catan zu Wohlstand und Ansehen.
Im Spiel Elasund hingegen ist die Insel bereits fest in der Hand der Siedler. Handel und Wirtschaft prosperieren, und alle Spieler bauen gemeinsam Elasund auf, die erste Stadt Catans.

Viking Figuren klein Die Wikinger und Catan

Viking-Figuren

Irgendwann fiel mir auf, dass die Wikinger zwar Pate bei der Entstehung von „Die Siedler von Catan“ gestanden hatten,  das Spielmaterial diesem Umstand aber nicht gerecht wird. Deshalb – und auch weil einige Spieler seit der Reform von 2003 die Holzfiguren in den Spielen vermissten – entwarf ich im Jahr 2008 die Viking-Edition. Die Holzfiguren der Viking-Edition sind größer und schöner als die Holzfiguren der ersten Ausgabe, und ihr Design lehnt sich an die wikingischen Vorbilder an. So besitzen die Siedlungsfiguren die typischen Giebel der Wikingerhäuser, und die Stadtfiguren sind den Stabkirchen des Nordens nachempfunden. Natürlich gibt es die schönen, großen Figuren auch für die alle drei Spielerweiterungen. Erhältlich sind die Figuren im Catanshop.

Buch Wikinger klein Die Wikinger und CatanKürzlich besuchte ich die Wikingerausstellung in Speyer – http://www.wikinger.speyer.de/.
Ein Rundgang durch die Räume des Museums führt durch alle Aspekte des wikingischen Lebens. Die liebevoll arrangierten Exponate zeugen nicht nur von der großen Vergangenheit der Wikinger als Entdecker, Händler oder Eroberer, sie vermitteln auch einen guten Eindruck vom alltäglichen Leben und vom großen handwerklichen Geschick der Männer und Frauen des frühmittelalterlichen Skandinaviens. Allen, die sich für Geschichte interessieren, kann ich die Ausstellung nur wärmstens empfehlen. Sehr empfehlenswert ist auch das reich illustrierte Buch zur Ausstellung. Auf über 300 Seiten werden alle Aspekte der wikingischen Kultur nach dem neusten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse anschaulich behandelt. Die Ausstellung „Die Wikinger“ ist noch bis zum 12. Juli 2009 geöffnet.

Klaus Teuber

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