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Wie aus Obelix ein Eichhörnchen wurde

 
5. April 2002
Klaus Teuber

Ich bin ein großer Asterix-Fan. So war ich vor zehn Jahren ganz besonders stolz, daß der Ravensburger-Verlag ein Brettspiel von mir unter dem Titel „Asterix und die Römer“ veröffentlichte. Ziel des Spieles war es, möglichst viele Römer zu verhauen - wie hätte auch es anders sein können?

Asterix und die Römer
„Asterix und die Römer“, erschienen 1990 bei Ravensburger

Nun bieten die Asterix Hefte natürlich viel mehr Stoff für ein Spiel, als banales Römerverhauen. Besonders angetan war und bin ich vom Album Obelix GMBH & CO.KG, jener Geschichte, in der Obelix in einem Anfall frühkapitalistischem Wahns den Römer auf den Leim geht. Diese boten ihm schnödes Gold für Hinkelsteine an. Damit wurde Obelix zum wichtigsten Mann im Dorf. Bald produzierte (fast) jeder Gallier Hinkelsteine, denn jeder wollte der reichste und wichtigste Mann werden.

Das Konzept der Römer schien aufzugehen. Statt Wildscheine und Römer zu jagen, war jeder nur noch mit der Hinkelsteinproduktion beschäftigt. Doch die Römer hatten ihre Rechnung ohne Asterix und Miraculix gemacht …


Zu dieser Geschichte dachte ich mir ein Laufspiel mit Merkelementen aus: Jeder Spieler hatte eine Gallierfigur, die er mit Hilfe eines Würfels über einen Rundkurs steuerte. Den Feldern des Rundkurses waren Karten zugeordnet, auf denen Hinkelsteine in verschiedenen Formen abgebildet waren, aber auch Störfiguren wie Asterix oder Miraculix. Wer einen Hinkelstein fand, konnte das Römerlager ansteuern und dort gutes Gold kassieren. Zwei oder drei verschiedene Hinkelsteine ließen das Goldsäckel noch stärker anschwellen.

Wer jedoch eine Störfigur wie Asterix zog, legte sie stillschweigend wieder hin, sich freuend auf den Augenblick, wenn ein Mitspieler diese Karte erneut zog und er mit einem hämischen Asterix-Ruf den lieben Mitspieler so erschrecken konnte, dass dieser seine wertvollen Hinkelsteine verlor.

Obelix-Prototyp
Erster Prototyp mit dem Titel „Obelix GmbH & Co. KG“

Mit Pauspapier bewaffnet (Scanner gab's damals noch nicht) stellte ich in liebevoller Kleinarbeit Spielplan und Karten her.


Erwartungsvoll schickte ich das Spiel zu Ravensburger. Doch schon nach wenigen Wochen erhielt ich eine Absage: Da mein erstes Asterix-Spiel nicht so gut gelaufen sei, käme kein weiteres Asterix-Spiel in Frage.

Schade! Aber ich gab nicht auf, denn vom Spiel war ich überzeugt. Ein neues Thema musste her. Also mutierten die Hinkelsteine zu Schätzen, aus Galliern wurden tapfere Ritter und die Störfiguren erschreckten die Spieler als garstige Drachen.

Drachenschatz-Prototyp
Zweiter Prototyp mit dem Titel „Drachenschatz“

Wohl waren sie zu garstig geworden, denn auch dieser Entwurf gefiel den Ravensburgern nicht. Das Thema war wohl so originell auch nicht. Also begrub ich die Drachen und Gallier schweren Herzens neben diversen anderen Spiele-Leichen in meinem Kellerschrank.


Fünf Jahre später brauchte Goldsieber ein Spiel für seine kleine Reihe "Maxis in der Minibox". Eingebunden in die Redaktionsarbeit erinnerte ich mich an meine Keller-Leiche. Das Spiel gefiel. Nur das Thema war immer noch das Problem. Schließlich hatte Fritz Gruber, ebenfalls Mitglied der Redaktion, den rettenden Einfall. Warum nicht kleine Eichhörnchen in naturgerechter Ritterrüstung? Natürlich sammeln Eichörnchen keine Schätze - aber Haselnüsse für den Winter! Störfiguren zu finden, war auch nicht schwer. Welches Eichhörnchen läßt nicht alle Haselnüsse fallen, wenn ein Marder, Fuchs oder Luchs naht?

Die Ritter von der Haselnuß – Spielplan Die Ritter von der Haselnuß – Spielkarton
„Die Ritter von der Haselnuß“, erschienen 1997 bei Goldsieber

Tja, so wurde aus Obelix ein Ritter von der Haselnuss.
Besonders gefreut hat es mich dann als die kleinen Ritter 1997 den Deutschen Kinderspielpreis erhielten.

Klaus Teuber


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